Die erste Modelleisenbahn-, -auto- und Spielzeugbörse im Schulhaus Pächterried war ein Erfolg.

Über 400 Besucher konnten Tausende Mini-Lokomotiven, Autos und Eisenbahnwagen bewundern.

Marc Hausherr aus Buchs ist vor vier Jahren zufällig auf Flieger- und Eisenbahnmodelle gestossen. Darauf entschloss er sich, für die Freunde dieser Miniaturwelten eine Börse zu organisieren. Das Erstaunliche: Marc ist erst 19 Jahre alt und steht noch in der Berufslehre.

Dank der Mithilfe von Mutter und Vater sowie seinen beiden Geschwistern und Kollegen gelang es ihm, am Samstag über 400 Eisenbahnfreunde nach Watt zu locken. Zwei davon sassen in der von Marcs Mutter betreuten Cafeteria und erzählten von ihrem Hobby. Beide sind aus dem Zürcher Oberland angereist und spielten schon als Buben mit Eisenbahnen. Dann gab es eine lange Pause, Familie und Beruf hatten Vorrang. Jetzt, mit etwas mehr Freizeit, geniessen sie das Gestalten von Landschaften und Schienennetzen. Beim Iisebähnle könne man herrlich abschalten, und niemand störe einen dabei.

Wo die Welt in Ordnung ist

Keine überfüllten Züge, keine Verspätungen - bei den Modelleisenbahnfreunden ist die Welt noch in Ordnung. In der Turnhalle des Schulhauses Pächterried zeigten 27 Aussteller auf 50 Tischen Eisenbahn- und Automodelle in den verschiedensten Grössen- und Preisklassen. Loks und Waggons, die in einer Zündholzschachtel Platz haben, waren im Angebot, bis hin zu Exemplaren von einem halben Meter Länge.

Auffallend war die Zusammensetzung des fachkundigen Publikums: Meist Männer gesetzteren Alters und eine miserable Frauenquote. Frauen standen höchstens als Mithilfe hinter den Verkaufstischen oder begleiteten - wohl eher als Muss denn mit grossem Interesse - ihre Männer oder Kinder.

Was bringt erwachsene Männer dazu, sich stundenlang mit Modelleisenbahnen abzugeben? Wahrscheinlich spielt der Bubentraum, Lokomotivführer zu werden, hintergründig mit. Allein im Führerstand einen schweren Güterzug über den Gotthard zu fahren oder mit einem Schnellzug von Rorschach nach Genf zu flitzen, übt auch heute noch eine Faszination aus. Zuhause auf dem Estrich oder im Keller kann mit einer Modelleisenbahn diesem Traum, wenigstens im verkleinerten Massstab, etwas nachgelebt werden.

Sogar quietschende Bremsen

Ein Sammler aus der Region präsentierte Lokomotiven und Waggons aus den 30er Jahren. Durch Handaufzug angetrieben, laufen die rein mechanischen Modelle heute noch tadellos. Märklin war der Rolls-Royce unter den Modellbauern, und alles wurde damals aus Blech gefertigt, selbst die Schienen. Dagegen gibt es heute digital gesteuerte Modelle. Bis zu acht Lokomotiven können gleichzeitig auf demselben Schienennetz verkehren und dabei die verschiedensten Funktionen ausführen - vom Pfeifen über Bremsgequietsche bis zum Dampfablassen.

Eine ganz spezielle Sparte betreibt Bruno Schwender aus Spreitenbach. «Ich habe nur ein beschränktes Budget für mein Hobby zur Verfügung. Deshalb baue ich meine Züge aus Altmaterial. Die Üetlibergbahn habe ich aus der Tropfwasserschublade eines ausgedienten Kühlschranks hergestellt», sagte Schwender.

Olav Brunner im ZürcherUnterländer vom 16.12.2013